Wissenschaftsläden

Wissenschaftsläden arbeiten seit Anfang der 1980er Jahre unter unterschiedlichen organisatorischen Bedingungen in Westeuropa und Nordamerika an der Vernetzung von Wissenschaft und Gesellschaft. Das Konzept stammt ursprünglich aus den Niederlanden, wo praktisch jede Hochschule mindestens einen„Wetenschapswinkel“(niederländisch für Wissenschaftsladen) betreibt.

Wie arbeiten Wissenschaftsläden?

Ihre typische Vorgehensweise unterscheidet sich in verschiedener Hinsicht von der herkömmlicher „Transferstellen“. In der Regel sind folgende Elemente anzutreffen:

  • Bürgerschaftliches bzw. zivilgesellschaftliches Engagement: Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen nicht nur großen, finanzstarken Unternehmen und Institutionen, sondern auch Bürgerinnen und Bürgern, Kleinunternehmen und Selbständigen sowie insbesondere zivilgesellschaftlichen Einrichtungen und Initiativen (Civil Society Organisations – CSOs) von Nutzen sein. Hier liegt ein weites Betätigungsfeld, auch und gerade für sozial-, kultur- oder bildungswissenschaftlich orientierte Forschungseinrichtungen. Auch der Wissenschaftsladen selbst ist in der Regel „nicht-kommerziell“, also beispielsweise in Deutschland vorrangig nach den Prinzipien der Gemeinnützigkeit, organisiert.
  • Partizipative Forschung bzw. „Community Based Research (CBR)“: Forschung und „Transfer“ sind keine Einbahnstraßen. Die Themen kommen aus der Gesellschaft und werden für die Gesellschaft im Kontext von Wissenschaftsläden bearbeitet. Dies ist aktuell auch ein Förderschwerpunkt der EU und des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.
  • „Service Learning“: Insbesondere niederländische und belgische Universitäten pflegen die Einbeziehung studentischer Forschungs- und Praxisarbeiten in ihre Projekte. Britische Universitäten beschäftigen sich zur Zeit mit der Verknüpfung von Curricula und Science Shop Projekten.

Wie sind Wissenschafsläden organisiert?

Grundsätzlich gibt es für die Wissenschaftsläden zwei unterschiedliche Organisationsformen: In den Niederlanden und diesem Vorbild folgend in den meisten westeuropäischen Ländern dominieren „University Related Science Shops“. Dies sind Wissenschaftsläden, die komplementär oder substitutiv zu den Transferstellen, als Struktureinheiten von Hochschulen organisiert sind. In Deutschland und Osteuropa sind die meisten Wissenschaftsläden rechtlich und oft auch wirtschaftlich unabhängige Einrichtungen, wie Vereine, gGmbH oder gUG. Derzeit gibt es in Deutschland nur zwei universitäre Wissenschaftsläden – seit 1986 den Wissenschaftsladen„kubus“ der TU Berlinund seit 2012 den Science Shop Vechta/Cloppenburg. Nach der Gründungswelle der 1980er Jahre und der daran anschließenden Konsolidierung der Netzwerke gibt es seit einigen Jahren, bedingt durch die Förderpolitik der EU zugunsten der Wissenschaftsläden einerseits sowie die Öffnung und Demokratisierung Osteuropas sowie einiger Länder Asiens und Afrikas andererseits, eine erhebliche Belebung der Aktivitäten im nationalen und internationalen Kontext.

Wissenschaftsläden in Deutschland

Living Knowledge

Mittlerweile gibt es Wissenschaftsläden auf allen fünf Kontinenten und in den meisten Ländern Europas. Weltweit sind die Wissenschaftsläden über das NetzwerkLiving Knowledgemiteinander verbunden. Hier besteht eine gemeinsame Basis für Erfahrungsaustausch und Projektentwicklung. Die deutschen und europäischen Netzwerke sind Teil von „Living Knowledge“. Die sechste „Living Knowledge“-Konferenz mit voraussichtlich einigen hundert TeilnehmerInnen findet im Juni 2016 in Dublin statt. Der Science Shop Vechta/Cloppenburg ist als Mitglied des „Committee“ für diese Veranstaltung an der Vorbereitung beteiligt. Die deutschen Wissenschaftsläden haben im Rahmen des WissNet im November 2015 eine gemeinsame Konferenz zum Thema „Exzellenz für alle?!“ organisiert.

Das Netzwerk der europäischen Wissenschaftsläden ist schon seit 2002 Gegenstand der Förderung durch die Europäische Union. Die EU unterstützt das Netzwerk an sich und den Aufbau neuer Wissenschaftsläden sowie gemeinsame Projekte und Konferenzen. Am aktuellen EU-ProjektPERARES(Public Engagement with Research and Research Engagement with Society) sind 26 Partnereinrichtungen aus 17 Ländern beteiligt, darunter die Wissenschaftsläden Bonn und Zittau aus Deutschland. Das PERARES-Projekt wird aus dem Programmteil „Capacities“ des 7. Rahmenprogramms von 2010 bis 2014 gefördert.