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Wie reagiert das Oldenburger Münsterland auf den Demographischen Wandel?

Der Vortrags- und Diskussionsabend fand am Mittwoch, 13. März 2019 im Cloppenburger Science Shop als Kooperation der Universitätsgesellschaft Vechta e.V. und dem Verbundprojekt „ReKuTe – Partizipation Wissenschaft für Region, Kultur, Technik“ statt. Rund 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung.

„Mit dem Abend wollen wir die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler mit der Region zusammenbringen“, so Helmut Dornieden, stellvertretender Vorsitzender der Universitätsgesellschaft Vechta e. V. „Ihre Forschungsarbeiten sind von hoher Qualität und Relevanz für die Region – das gilt es für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen.“ Diese Idee hatte die Universität gerne aufgegriffen: „Ich freue mich über die Resonanz zum heutigen Abend“, so Prof. Dr. Michael Ewig, Vizepräsident für Forschung und Nachwuchsförderung. „Wir wollen diese Art des Wissenstransfers künftig weiter ausbauen.“ Er dankte auch dem Landkreis Cloppenburg, ohne dessen langjährige Unterstützung die Einrichtung des Science Shops Vechta/Cloppenburg undenkbar gewesen sei.

Dr. Oliver Klein (bis 2017 Universität Vechta, jetzt Universität Greifwald) präsentierte eingangs einen Überblick zur vielfältigen Thematik „Demographischer Wandel“ und stellte auch kurz deren historischen Abriss dar. 

Verschiedene Aspekte des Demographischen Wandels in der Region sowie Auswirkungen beleuchteten drei Absolvent_innen der Universität, die als Referent_innen eingeladen waren.  

Eigen- und Fremdwahrnehmungen der Landkreise Cloppenburg und Vechta waren Inhalt des Vortrags von Dr. Johannes Fuchs. Der Geograph hatte in seiner Dissertation untersucht, welche Faktoren die jeweiligen Wahrnehmungen beeinflussen. Dabei stellte er fest, dass eine Kluft zwischen fremd zugeschriebenen und von der Bevölkerung selbst wahrgenommenen Eigenschaften und Merkmalen des Lebensraums in der Region besteht. Als Befund aus dieser Beobachtung betonte der Referent, dass Stadtmarketingstrategien von Kommunen erst dann vorteilhaft sind, wenn sich Bewohner_innen einer Region mit deren Imagekampagnen auch wirklich identifizieren könnten. 

Vergleichend gearbeitet hatte Pascal-Matthias Heidhoff über „Reaktionen von Kommunen auf den demographischen Wandel“. Anhand von Daten zu Bevölkerungszahl und Altersstruktur stellte der Master-Absolvent (Geographie) fest, dass in vielen Kommunen in Nordwestniedersachsen keine ausreichenden Strategien entwickelt werden, mit den aktuellen Bevölkerungsentwicklungen umzugehen. Auf diese Weise, so Heidhoff, könne zukünftig kein problembewusster Umgang mit den Veränderungen erwartet werden.   

Einen Fokus auf die jugendliche Bevölkerung legte Romy Mela (Master of Education) bei ihrer Untersuchung des Wohnumfeldes in Holdorf. In enger Kooperation mit der Gemeinde untersuchte sie die Bereiche Infrastruktur, Wegzugsüberlegungen, Flächennutzung, Sicherheit sowie Wohnen und Arbeiten mittels eines Fragebogens an Jugendliche im Alter von 13 bis 21 Jahren. Daraus leitete sie Handlungsempfehlungen ab, die sie auch heute noch in Holdorf unterstützt. 

Wie sich der Landkreis Cloppenburg für den Demographischen Wandel aufstellt, berichtete Christine Brinkmeier, Demographiebeauftragte des Landkreises. Mittels eines partizipativen Prozesses hat sich der Landkreis 2016 eine Demographiestrategie erarbeitet. Unter dem Motto „Wir wachsen gemeinsam“ sind dort Handlungsfelder und Maßnahmen aufgeführt, die die Themen Altersgerechtigkeit, Inklusion, Chancengerechtigkeit und Lebensqualität aufgreifen. Nach der starken Zuwanderung durch Russlanddeutsche Ende der 1980er bzw. Anfang der 1990er Jahre steht der Landkreis Cloppenburg derzeit vor der Aufgabe, neben Kriegsflüchtlingen auch Arbeitsmigrant_innen, v. a. aus Südosteuropa, die Integration zu ermöglichen.

Eine Folgeveranstaltung in Cloppenburg mit neuem Themenschwerpunkt haben die Organistor_innen für 2020 in Aussicht gestellt.